Sell in May and go away?

Christoph Böck
Veröffentlicht vor 2 Wochen 2 Likes 4 min. Lesezeit
Geldanlage
Frau geht entlang einer blühenden Baumreihe - sell in May and go away? Was ist wahres dran?

Der Mai steht vor der Tür. Hält man sich an eine alte Börsenweisheit, wäre dies der richtige Zeitpunkt, seine Aktien zu verkaufen und entspannt den Sommer zu genießen. Vergessen wird oft der zweite Teil dieses Sprichwortes: “but remember to come back in September“. Das Motto lautet also, im Frühjahr mit Gewinn zu verkaufen und im Herbst wieder günstig einzusteigen. Tatsächlich waren am US-Aktienmarkt bisher mehrheitlich die Kursentwicklungen in den Sommermonaten schwächer als das Ergebnis der Wintermonate. Macht es nun aber Sinn, sich an der Faustregel “Sell in May and go away” zu orientieren? Hier findest du unsere Gedanken dazu!

1. Sell in May – und positive Entwicklungen versäumen

2 Männer kaufen und verkaufen Wertpapiere

Ein Verkauf und späterer Kauf des gleichen Wertpapieres verursacht Spesen und – bei Verkauf mit Gewinn – die Kursgewinnsteuer. Demnach sollte sich die Differenz zwischen Verkaufspreis und neuerlichem Einkauf schon auszahlen, um die Spesen rechtfertigen zu können. Möglicherweise ist das damit erzielte Veranlagungsergebnis lediglich ein müdes: „Außer Spesen nichts gewesen.“

Ein gänzlicher Ausstieg birgt darüber hinaus die Gefahr, an einer (unerwartet) positiven Wertentwicklung nicht teilnehmen zu können – denn die Entwicklungen der Vergangenheit sind an den Aktienmärkten kein verlässlicher Indikator für zukünftige Kursverläufe. Ein späterer Wiedereinstieg könnte demnach zu höheren, also teureren Kursen erfolgen müssen.

2. Wohin mit dem Geld?

Wie kann dieses im Sommer im Schatten (der Börse) geparkt werden? Sollte tatsächlich in den Sommermonaten an den Börsen eine Flaute eintreten – also eine Seitwärtsentwicklung der Kurse stattfinden – könnte das Veranlagungsergebnis mit einer Geldmarktveranlagung „mithalten“. Die Geldmarktzinsen sind nach wie vor Nahe dem Nullpunkt. Lies dazu auch: Bleibt die Inflation so hoch? Bei sommerlichen Kursverlusten an den Börsen wäre ein kurzfristiges Geldmarkt-Investment natürlich im Vorteil – aber wer weiß das schon im vorhinein?

3. Aktien – der place to be?

Erdkugel zeigt Wirtschaftswachstum nach Pandemie

Es gibt immer – zu jeder Zeit – Argumente pro Aktien und kontra Aktien. Dazu auch interessant: Geld-Vorurteil 7 – Aktien sind gefährlich. Aktuell belasten die kriegerischen Entwicklungen in der Ukraine die (europäische) Wirtschaft. Ebenso verschärft die Zero Covid-Strategie in China, die zu einem wirtschaftlichen Stillstand in Shanghai geführt hat, globale Lieferengpässe. Nicht zuletzt sorgt die Angst vor deutlich steigenden Zinsen in den USA für gedämpfte Stimmung an den Aktienmärkten. Andererseits ist das globale Wirtschaftswachstum nach den Pandemie-Jahren durchaus erfreulich. Auch mangels chancenreicher Anlagealternativen könnten Aktien weiterhin der „place to be“ bleiben, dabei können allerdings die Kursschwankungen hoch sein. Denn eine hohe Inflationsrate in Verbindung mit einem bescheidenen Zins- bzw. Renditeniveau lassen konservative Anlageformen derzeit aus Ertragssicht wenig attraktiv erscheinen.

4. Langfristig investiert bleiben anstatt “Sell in May”

Aktienanlegerinnen und Aktienanleger* sollten sich als Langfrist-Investoren und nicht als Kurzfrist-Spekulanten sehen. So gut wie kein Unternehmer würde seinen Betrieb im Mai verkaufen, um ihn im September wieder zurückzukaufen. Warum sollte dies dann für Investoren, die sich an interessanten Geschäftsmodellen beteiligen möchten, eine sinnvolle Investmentstrategie darstellen?

Auf den Punkt gebracht: Breite Streuung und langfristige Veranlagung sollten die wesentlichen Eckpfeiler einer vernünftigen Anlagestrategie bilden. „Sell in May and go away“ sollte demnach durch „Langfristig investiert bleiben“ ersetzt werden.

Weitere Börsenweisheiten und ihre Bedeutungen findest du hier: Die nackte Wahrheit über Börsenweiseheiten.

Dies ist eine Marketingmitteilung der Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, Mooslackengasse 12, 1190 Wien. Stand: Mai 2022

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