Schlittert Europa in eine Rezession?

Stephan Meier
Veröffentlicht vor 5 Monaten 4 Likes 4 min. Lesezeit
Geldanlage
Auf der Straße sind Bremsspuren zu sehen. Schlittern wir in eine Rezession?

In den letzten Wochen haben die Sorgen vor einer Rezession deutlich zugenommen. Dies betrifft vor allem die Eurozone. Sollte es zu weiteren Verknappungen oder drastischen Preissteigerungen bei Öl und Erdgas kommen, wird sich ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung in Europa in den kommenden Quartalen nur schwer vermeiden lassen. Besser sieht es diesbezüglich in den USA aus. Ein Blick auf Wirtschaft und Kapitalmärkte des vergangenen Monats.

Die Notenbanken geben den Ton an

Die US-Notenbank sieht man am Bild.

Auch in den USA wird das Thema Rezession verstärkt diskutiert. Aber wann und ob die US-Wirtschaft in eine Rezession fällt, ist derzeit ziemlich offen. Ebenso wie tief ein solcher Abschwung ausfallen würde. Die US-Notenbank (FED) jedenfalls sieht derzeit offenkundig nur moderate Konjunkturrisiken. Anstatt dessen priorisiert sie die Inflationsbekämpfung. Um gleich 75 Basispunkte (0,75 %) hoben die US-Währungshüter im Juni den Leitzins an. Eine weitere Zinsanhebung um möglicherweise 50 Basispunkte dürfte im Juli folgen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat für Juli ebenfalls eine Zinserhöhung angekündigt, die erste seit 11 Jahren. Ausmaß und Tempo der Zinsanhebungen werden aber geringer sein als in den USA. Sollten sich tatsächlich Anzeichen einer Rezession in der Eurozone verdichten, wird es fraglich sein, ob die EZB ihre derzeit eingepreisten Zinsanhebungen wirklich durchführen wird.

In jedem Fall ist von den großen Notenbanken in nächster Zeit keine Unterstützung für die Konjunktur zu erwarten. Im Gegenteil sorgen die Zinsanhebungen eher für Gegenwind. Eine solche Konstellation hat es lange nicht mehr gegeben.

Ist eine mögliche Rezession auf den Aktienmärkten bereits eingepreist?

Die Aktienmärkte fielen im Juni kräftig. Von einigen wenigen Ausnahmen (z. B. China) abgesehen. Teilweise gaben die Kurse sogar um 10 % und mehr nach. Die Kombination aus weiter anziehender Inflation, höheren (Leit-)Zinsen und drohenden weiteren Energiepreisanstiegen bekam den Aktienkursen überhaupt nicht.

Dabei ist die aktuelle Geschäfts- und Gewinnsituation für die allermeisten Unternehmen noch gut bis sehr gut. Die Finanzmarktakteure machen sich aber zunehmend Sorgen. Die Frage ist, ob die derzeit eingepreisten Steigerungen bei Umsätzen und Gewinnen für die kommenden Quartale bzw. Jahre nicht deutlich nach unten revidiert werden müssen. Unter den Analystinnen und Analysten* herrscht diesbezüglich Uneinigkeit. Einige sehen in den aktuellen Kursen bereits eine (milde) Rezession eingepreist und damit auch nur noch recht begrenzte weitere Abwärtsrisiken. Hingegen meinen andere, dass die Kurse eine Rezession noch nicht widerspiegeln.

Teilweise recht günstig bewertete Aktien

Eine Analystin interpretiert am Bildschirm einen Aktienkurs.

Fakt ist in jedem Fall, dass viele Aktien auf Basis der aktuellen sowie der derzeit für 2022/2023 geschätzten Gewinne recht günstig bewertet sind. Sollte sich die Konjunktur nicht so stark abschwächen wie von vielen derzeit befürchtet, dann weisen zumindest einige Bereiche des Aktienmarktes gutes Erholungspotenzial auf. Solange die Unwägbarkeiten rund um Inflation, Konjunktur und Geopolitik (Russland/Ukraine, China/Taiwan) hoch bleiben, dürften aber die starken Kursschwankungen anhalten. Dadurch werden sich die Aktien mit einer nachhaltigen Erholung recht schwer tun .

Renditeanstieg bei Anleihen guter Bonität legt Pause ein

Die Kurse auf den Anleihenmärkte gaben im Juni erneut nach. Im Gegenzug stiegen die Renditen. Besonders stark gerieten dabei die riskanteren Anleihesegmente unter Druck (HighYield, Schwellenländeranleihen). Das spiegelt die wachsenden Konjunktursorgen und damit möglicherweise steigende Ausfallsraten in diesen Segmenten wider.

Bei Staatsanleihen waren die Renditebewegungen deutlich moderater. Dort scheint zumindest bei den guten Bonitäten der Aufwärtstrend bei den Renditen erst einmal eine Pause einzulegen. Möglicherweise ist sogar der Hochpunkt beim Renditeanstieg fürs Erste erreicht.

Rohstoffe geben nach, US-Dollar bleibt stark

Bei den Rohstoffen gaben sowohl die Preise für Öl und Gas als auch für Industriemetalle im Juni zweistellig nach. Letztere liegen damit sogar im Minus gegenüber dem Jahresbeginn. Unterdessen bleibt der US-Dollar stark und der Euro und vor allem der Yen sind weiter recht schwach.

Dies ist eine Marketingmitteilung der Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, Mooslackengasse 12, 1190 Wien. Stand/Erstelldatum: Juli 2022

Die Angaben beruhen auf dem Wissensstand des Verfassers Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. zum Erstellungszeitpunkt. Zu beachten ist, dass Prognosen keine verlässlichen Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen zulassen.

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