Österreichische Haushalte investierten 2020 verstärkt in Investmentfonds

Sandra Szigeth-Popp
Veröffentlicht vor 7 Monaten 8 Likes 4 min. Lesezeit
Geldanlage
Im Bild ist ein Stapel Euromünzen zu sehen - Österreicher sparen immer lieber in Fonds.
Das Bild zeigt Dr. Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik.
Dr. Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik in der OeNB

Dr. Johannes Turner ist Direktor der Hauptabteilung Statistik in der Oesterreichischen Nationalbank. Wir wollten wissen, wie sich das Sparverhalten der Östereicherinnen und Österreicher* vor allem im Zuge der Covid-Pandemie verändert hat. Eines vorweg: Investmentfonds werden immer beliebter.

Geldvermögen um 5,3 % gestiegen

Raiffeisenfonds: Herr Dr. Turner, aufgrund der Corona-Pandemie mussten viele Österreicher finanzielle Einbußen hinnehmen. Inwieweit hat sich das auf das Sparverhalten ausgewirkt?

Dr. Johannes Turner: Interessanterweise ist das Geldvermögen österreichischer Haushalte im Jahr 2020 trotz Covid-Pandemie um 5,3 Prozent auf 779 Mrd. Euro gestiegen. Gründe dafür liegen auch in der durch die Pandemie eingeschränkten Konsummöglichkeiten. Außerdem sind die krisenbedingte Unsicherheit und die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt für eine deutlich angestiegene Nettosparquote verantwortlich. Im Jahr 2020 ist diese jedenfalls um beachtliche 6,3 Prozentpunkte auf 14,5 Prozent angestiegen.

Fonds unter den Gewinnern im Jahr 2020

Raiffeisenfonds: Was zählte im vergangenen Jahr denn zu den liebsten Anlagemöglichkeiten von Herrn und Frau Österreich?

Im Bild sind zwei Hände voll Goldnuggets zu sehen. Gold war 2020 neben Investmentfonds auch eine Anlagemöglichkeit.

Dr. Johannes Turner: Investiert wurde einerseits in realwirtschaftliche sichere Werte. Dazu gehören u. a. Immobilien und Gold. Anderseits konnte man bei den finanziellen Vermögen einen deutlichen Anstieg in die sehr liquiden täglich fälligen Einlagen beobachten.

Positive Transaktionen konnten im Jahr 2020 ebenso Bargeld und Aktien verzeichnen. Den höchsten Investitionszuwachs (ohne Berücksichtigung der traditionell beliebten Einlagen) im Jahr 2020 hatten mit + 4,1 Mrd. Euro jedoch Investmentfonds.

Seit fast 20 Jahren Zuwächse

Raiffeisenfonds: Das ist für unseren Sektor selbstverständlich sehr erfreulich. Hat sich dieser Trend schon in den Jahren zuvor abgezeichnet?

Dr. Johannes Turner: Investmentfonds liegen seit etwa 20 Jahren bei einem Anteil zwischen 7 und 10 Prozent des Geldvermögens. Im Jahr 2020 erreichte das Volumen 73,2 Mrd. Euro. Sie haben im Verlauf der letzten 20 Jahre fast ausschließlich positive Transaktionen verbucht. Im Jahr 2020 wurde der höchste Wert in diesem Zeitraum erreicht.

Das bedeutet, dass unabhängig von Zuwächsen oder Verlusten durch Bewertungseffekte ein klarer Trend zum stärkeren Engagement österreichischer Haushalte in Investmentfonds zu beobachten ist.

Dieser Trend zur Diversifikation des Anlagevermögens österreichischer Haushalte kann als durchaus positiv gewertet werden.

Ein Umlegen des Netto-Transaktionsvolumens des Jahres 2020 auf die einzelnen Haushalte ergibt, dass pro Monat und Haushalt im Durchschnitt etwa 85 Euro in Investmentfonds investiert wurden.

Österreichische Haushalte mögen gemischte Investmentfonds

Raiffeisenfonds: Werfen wir einen genaueren Blick auf das Investment in Investmentfonds. Welche Fonds sind denn die beliebtesten?

Die Grafik zeigt die prozentuelle Aufteilung der Geldanlagen in die verschiedenen Fonds-Arten.

Dr. Johannes Turner: Bei der genaueren Betrachtung der inländischen Investmentfonds österreichischer Haushalte ist eine Vorliebe für Mischfonds zu erkennen. Diese hatten im Dezember 2020 mit einem Bestandsvolumen von 23,9 Mrd. Euro (47 %) den größten Anteil am gehaltenen Fondsvolumen. Platz Nr. 2 nahmen Rentenfons mit 10,2 Mrd. Euro (20 %) ein, dicht gefolgt von Aktienfonds mit 9,2 Mrd. Euro (18 %). Immobilienfonds lagen bei 7,1 Mrd. Euro (14 %).

Beliebtheit von Rentenfonds abnehmend

Raiffeisenfonds: In der Vergangenheit haben Rentenfonds große Beliebtheit erfahren? Warum nun diese mögliche Kehrtwende?

Es gab einen deutlichen Rückgang des Anteils an gehaltenen Rentenfonds. Dieser dürfte mit den niedrigen Performanceaussichten während der Niedrigzinsphase zusammenhängen.

Im Jahr 2015 war der entsprechende Anteil noch bei 34 Prozent gelegen. Von dieser Entwicklung profitierten – wie zuvor erwähnt – insbesondere inländische Mischfonds. Diese dürften aufgrund ihres ausgeglichenen Performance-Risiko-Faktors eine attraktive Veranlagungsform für private Haushalte darstellen, die ihr Geldvermögen in Zeiten des Niedrigzinsumfeldes diversifizieren möchten.

Unser Beitrag 5 Antworten auf die brennendsten Fragen zum Thema Inflation widmet sich u. a. der Thematik, weshalb es in Zeiten von niedrigen Zinsen wichtig ist, alternative Geldanlagen zu nutzen.

Raiffeisenfonds: Vielen Dank Herr Dr. Turner für diesen interessanten Einblick in die Statistik des Geldvermögens österreichischer Haushalte.

Auch bei Raiffeisen Capital Management durften wir uns im turbulenten vergangenen Jahr über Zuwächse freuen: Die Einlagen der Kundinnen und Kunden haben sich um 5,2 % auf 37,5 Mrd. Euro erhöht. Im Bereich des Fondssparens gab es einen Zuwachs auf 384.509 Stück, das entspricht einem Wachstum von 9 % im Jahr 2020.

Dies ist eine Marketingmitteilung der Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, Mooslackengasse 12, 1190 Wien. Stand/Erstelldatum: April 2021

Ein Investmentfonds ist kein Sparbuch und unterliegt nicht der Einlagensicherung. Veranlagungen in Fonds sind mit höheren Risiken verbunden, bis hin zu Kapitalverlusten.

Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH oder kurz Raiffeisen KAG

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