Märkte im Wandel

Stephan Meier
Veröffentlicht vor 3 Jahren 8 Likes 7 min. Lesezeit
Geldanlage
Straßenbahn fährt vor Gebäude

Als eine der ersten Fondsgesellschaften hat die Raiffeisen KAG am 21. Februar 1994 einen Aktienfonds aufgelegt, der erstmals in die Märkte Zentral- und Osteuropas investiert hat: Den Raiffeisen-Osteuropa- Aktien. Im Blickpunkt standen die damals noch als Transformationsstaaten bezeichneten Länder, die mit dem Fall des so genannten Eisernen Vorhangs auch für Investoren aus dem Westen von immer größer werdendem Interesse waren. Heute, 25 Jahre später, lässt sich die Auflage des Raiffeisen-Osteuropa-Aktien als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Wir nehmen das Jubiläum zum Anlass, die Fondsmanager über „ihre“ größten Märkte und ihre Veränderungen erzählen zu lassen.

Russland – Angelika Millendorfer

Angelika Millendorfer
Dr. Angelika Millendorfer, Head of Aktien CEE & Global Emerging Markets, RCM

Vor 25 Jahren war der russische Markt weit weniger professionalisiert: Firmen, in die Anleger investieren konnten, verfügten oft nicht einmal über Präsentationsunterlagen. Aussagekräftige Bilanzdaten waren Mangelware. Eine valide finanzielle Einschätzung der Unternehmen gestaltete sich dadurch schwierig. Auch ließ die Behandlung von Minderheitsaktionären oft zu wünschen übrig. Die Börse hat erst später enorm an Bedeutung gewonnen.

Heute ist Moskau eine moderne Metropole, die wenig mit der damals grauen und sowjetisch geprägten Großstadt zu tun hat. Der Kapitalmarkt ist mit Abstand der größte und wichtigste der Region. Die Standards sind jenen der westlichen Märkte angepasst. Der russische Aktienmarkt ist allerdings sehr an Rohstoffen orientiert. Daher spielt der Ölpreis für die Entwicklung der Moskauer Börse eine erhebliche Rolle: Als der Ölpreis über 100 US-Dollar pro Fass erzielte, erlebte der russische Aktienmarkt seine Boomjahre. Starke Einbrüche gab es während der russischen Krise im Jahr 1998 und während der globalen Finanzwirtschaftskrise 2008. Sanktionen der EU und den USA drücken auf die eigentlich großen Potenziale des russischen Aktienmarktes.

Am Management russischer Aktien fasziniert mich unter anderem, dass ich im Rahmen von Unternehmensbesuchen an Schauplätze komme, die ich sonst sicherlich nie gesehen hätte: Wer kommt schon auf sibirische Ölfelder oder kann mehrere 100 Meter unter Tag eine Nickelmine besichtigen?

Und wie geht es weiter?
Politik bleibt ein wichtiger Faktor für den russischen Aktienmarkt. Weitere Sanktionen – vor allem seitens der USA – könnten Anlegern zu schaffen machen. Auch im Konflikt mit der Ukraine gibt es keine Fortschritte. Ein Stopp der Zinsanhebungen in den USA ist für die Emerging Markets ganz allgemein und auch für Russland unterstützend.

Zentraleuropa – András Szálkai

Andras Szalkai, Fondsmanager RCM
MSc. András Szálkai, Fondsmanagement Aktien CEE & Global Emerging Markets, RCM

Vor 25 Jahren … drehte sich auf dem ungarischen Aktienmarkt und auch an anderen Märkten CEEs (fast) alles um Privatisierungen. Viele Ungarn hatten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs von der Regierung Entschädigungsscheine als Wiedergutmachung für Enteignungen während des Kommunismus erhalten. Diese konnten sie – mit großen Abschlägen – in Geld umtauschen, oder abschlagslos in Aktien privatisierter Staatsunternehmen investieren. So waren Anfang der 90er-Jahre viele Ungarn Aktionäre. Der Börsenhandel lief noch sehr altmodisch ab. Private Investoren informierten sich direkt im Besucherraum der Börse über die Kursentwicklung, um ihre Orders an die Händler zu geben. Wer nicht gleich weiterverkaufte, sondern länger in einem Titel blieb, konnte mitunter hohe Profite erwirtschaften.
Denn einige der privatisierten Unternehmen haben ihren Börsenwert innerhalb kurzer Zeit vervielfacht. Die professionellen Fondsmanager des Raiffeisen-Osteuropa-Aktien haben ihre Orders schon damals telefonisch von Wien aus an die Broker weitergeleitet.

Heute ist diese Art des Aktienhandels in allen zentraleuropäischen Staaten, in die der Raiffeisen-Osteuropa-Aktien investiert, Geschichte. Der Handel von Wertpapieren läuft seit vielen Jahren elektronisch über Computerorders. Ungarn, Polen, Tschechien, die Slowakei, Rumänien und Bulgarien sind inzwischen Teil der EU, von der sie wirtschaftlich enorm profitieren – und umgekehrt. Waren die Märkte Ende der 90er-Jahren noch fast ausschließlich von den Exporten nach Russland abhängig, sind nun die Länder der EU die stärksten Handelspartner, allen voran Deutschland und Österreich. Der wirtschaftliche Erfolg – stark getrieben vom Strukturfonds der EU – aber auch vom Kreditwachstum in den Ländern, ist eine echte Erfolgsgeschichte. Von enormer wirtschaftlicher Bedeutung ist die Autoindustrie Deutschlands und Frankreichs, die von zahlreichen Unternehmen aus Polen, Ungarn, Tschechien und Rumänien mit Einzelkomponenten beliefert wird.

Am Management der zentraleuropäischen Aktien fasziniert mich die enorme Transformation der Märkte. Unter massiven Anstrengungen sind viele der Länder, in die wir investieren, heute weiter als so manches entwickelte Land: moderne Infrastruktur, steigende Pro-Kopf-Einkommen, vielerorts herrscht Unternehmergeist. Die Menschen haben Ideen und Visionen.

Und wie geht es weiter? Die Region ist innerhalb der EU eine Erfolgsregion. Sie wächst schneller als der Westen. Der Motor der EU hat sich weiter in den Osten verschoben. Im Gegensatz zu anderen Emerging Markets sind diese Länder in Hinblick auf Pro-Kopf-Einkommen, Infrastruktur, Bildungsniveau etc. sehr gut entwickelt.

Gregor Holek
Mag. Gregor Holek, Fondsmanagement Aktien CEE & Global Emerging Markets, RCM

Türkei – Gregor Holek

Vor 25 Jahren war die Börse Istanbuls gerade acht Jahre alt und die Türkei ein junger, wenig liquider Anlagemarkt. Auch der Raiffeisen-Osteuropa-Aktien war noch nicht in der Türkei investiert. Die türkische Wirtschaft war geprägt von starken Auf- und Abwärtsbewegungen. Inflationsraten um die 75 % waren keine Seltenheit. Erst mit der Regierung der AKP im Jahr 2002 stabilisierte sich die Wirtschaft. Die Inflationsraten fielen auf einstellige Werte. Die Boom-Jahre der Türkei fanden 2005 mit der Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der EU einen Höhepunkt. Die Wirtschaft brummte und mit ihr der Aktienmarkt. Die Türkei wurde zum Star internationaler Investoren und auch im Portfolio des Raiffeisen-Osteuropa-Aktien war die Türkei ein wichtiger Ertragsbringer. Immer mehr Unternehmen drängten an die Istanbuler Börse. Mehrere Börsengänge pro Jahr waren keine Seltenheit. Direktinvestitionen und  Kreditwachstum schossen nach oben. Auch wenn die Finanzwirtschaftskrise 2008 einen Dämpfer mit sich brachte, konnte sich die Türkei in den Krisenjahren sehr gut halten.

Heute … hat der Anlagemarkt Türkei aufgrund der politischen Lage viele Investoren verloren.
Die Wirtschaft ist deutlich abgeschwächt, die Stimmung im Land gedrückt, denn die Währungskrise ist nicht nur bei den internationalen Investoren angekommen, sondern natürlich auch bei den Türken selbst. Doch türkische Unternehmen haben gelernt, extrem gut mit Krisen umzugehen. Daher ist es auch wahrscheinlich, dass die Türkei – sofern sie die aktuellen politischen Unsicherheiten überwinden kann – wieder an ihre Erfolgsjahre anknüpfen wird.

Am Management türkischer Aktien fasziniert mich … in erster Linie die Dynamik und Flexibilität der Akteure. Viele Türken sind fleißig und fokussiert und machen mit Leidenschaft und Freude Geschäfte. Sie sind sehr stolz auf die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei.

Und wie geht es weiter? Die Türkei hat es selbst in der Hand. Wir gehen davon aus, dass sie schon bald wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren wird.

Dies ist eine Marketingmitteilung der Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, Mooslackengasse 12, 1190 Wien.
Erstelldatum: Februar 2019

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Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH oder kurz Raiffeisen KAG

Bildquellen: iStock, RCM