Gas & Co. – warum Österreich für diesen Winter gut aufgestellt ist

Hannes Loacker
Veröffentlicht vor 3 Wochen 1 Likes 6 min. Lesezeit
Geldanlage
Fondsmanager Hannes Loacker spricht über Gas & Co.

Die kühlen Außentemperaturen und wenigen Stunden Tageslicht lassen uns mehr Zeit zuhause verbringen. Spielenachmittage, gesellige Treffen mit Freundinnen und Freunden* in den eigenen vier Wänden, kuschelige Lese- oder Fernsehabende tun gut und sind oft eine willkommene Alternative zum grauen Novemberwetter. Jedoch steigt in der kühleren Jahreszeit auch der Energieverbrauch erheblich an. Grund für uns, von unserem Energie-Experten Hannes Loacker spannende Informationen rund um das Thema Gas & Co. einzuholen.

Sind die Gas-Speicher ausreichend gefüllt, um über die Wintermonate zu kommen?

Im Bild sind Gas-Speicher zu sehen.

Hannes: Die Gas-Speicher sind überraschend gut gefüllt. In Österreich zu 95 %, in Deutschland zu 100 % (Stand: 14.11.2022). Auf den ersten Blick sieht es aus, als wäre unser großer Nachbar demnach etwas besser aufgestellt als wir. Man muss allerdings berücksichtigen, dass Deutschland – gemessen an der Gasnachfrage – nur Speicherkapazitäten hat, die für zwei bis drei Wintermonate ausreichen. Österreich wiederum kann den Bedarf für ein ganzes Jahr speichern.

Das hört sich sehr erfreulich an!

Hannes: Ja, das stimmt. Die Krux an der Sache ist jedoch, dass nur rund 25 % der Speichermenge der Republik Österreich gehören. Das entspricht 20 Terawattstunden. Der Rest gehört Unternehmen, teilweise auch ausländischen Firmen. Prinzipiell sieht es aber trotz allem danach aus, dass wir in Österreich gut durch den Winter kommen sollten.

Und wie sieht es nächsten Winter aus?

Das ist die spannendere Frage. Wie können wir die Gasspeicher im Frühjahr wieder auffüllen? Denn vielleicht fließt dann gar kein russisches Gas mehr zu uns. Wenn wir heuer einen sehr kalten Winter haben, beginnen wir auf einem sehr niedrigen Speicher-Niveau. Dies könnte für den nächsten Winter herausfordernder werden als für den aktuellen.

Merkt man einen Rückgang beim Gasverbrauch?

Hannes: Wir können hier auf wöchentliche Daten aus Deutschland zugreifen. Diese kann man durchaus auf Österreich umlegen. Sie zeigen, dass der Gasverbrauch in der Industrie seit Anfang Juli im Vergleich zu der Periode 2018 bis 2021 um etwa 20 % gesunken ist. Bei den Haushalten ist der Rückgang ein wenig geringer, da liegen wir bei rund 16,5 %. Man merkt somit: sowohl im gewerblichen als auch im privaten Bereich wird man energiebewusster.

Auch für dich ist ein bewussterer Umgang mit Energie von Bedeutung? Wir haben sehr viele Ideen, um Energie zu sparen, gesammelt. Diese kannst du in Strom sparen in Küche & Co. – 40 einfach umsetzbare Ideen sowie Energie sparen mit diesen 20 einfachen Tipps nachlesen.

Sind die Kapazitäten erneuerbarer Energie ausgeweitet worden?

Hannes: Erneuerbare Energie sind Alternativen zu Gas, Kohle oder Atomstrom allerdings geht der Umstieg nicht ganz so schnell. Es wird sich in diesem Bereich noch viel tun, im vergangenen halben Jahr sind hier jedoch kaum Kapazitäten hinzugekommen.

Windräder stehen am Berg, eine alternative Energiequelle zu Gas.

Das hängt unter anderem mit den langen Genehmigungsverfahren von beispielsweise Windparks zusammen. Solche Verfahren dauern teilweise sieben Jahre und länger. Diese Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, ist unter anderem Teil von REPowerEU. REPowerEU ist ein Paket von Maßnahmen des Europäischen Grünen Deals und verfolgt mitunter das Ziel, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland rasch zu verringern. Hier wird zukünftig einiges passieren.

Wie kam es zu diesen enormen Anstiegen bei den Strompreisen?

Hannes: Vor knapp zwei Jahrzehnten wurde im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes das Merit-Order-System eingeführt. In diesem System orientiert sich der gesamte Strompreis nach dem Preis, der für die Spitzennachfrage zu bezahlen ist.

Vereinfacht ausgedrückt funktioniert das so: Ein Stromanbieter kauft anfänglich Strom beim billigsten Anbieter. Das ist in der Regel erneuerbare Energie, sprich Wind, Wasser, Sonne. Wird weitere Energie benötigt, wird diese beim nächstbilligeren Erzeuger angekauft und so weiter. Die Spitze der Energie ist dadurch am teuersten. Nach dieser Spitze richtet sich allerdings der Preis für den gesamten Strom.

Bei hohem Energiebedarf ist das zuletzt zugeschaltete Kraftwerk oftmals ein Gaskraftwerk und dadurch sind die hohen Gaspreise auch verantwortlich für den Anstieg des Strompreises.

Nicht überall in Europa sind die Strompreise so hoch. Woran liegt das?

Hannes: Ja, hier sieht man deutliche Unterschiede in Europa. In jenen Ländern, die abhängig von russischem Gas sind, ist der Strompreis am stärksten gestiegen. Im Vergleich dazu herrscht in Ländern wie Portugal und Spanien keine Abhängigkeit von Russland und somit ist der Strompreis doch deutlich niedriger, wenngleich er auch dort angestiegen ist.

Vielen Dank, Hannes! Das war ein aufschlussreicher Einblick in die Welt der Energie!

Hannes Loacker ist Fondsmanager des Raiffeisen-SmartEnergy-ESG-Aktien. Der Fonds investiert zu einem großen Teil in Aktien von Unternehmen, deren Produktportfolio Produkte umfasst, die eine Reduktion der energiebedingten Treibhausgase anstreben („Smart Energy“) bzw. die auf Basis von sogenannten ESG-Kriterien („Environmental“, „Social“, „Governance“) als nachhaltig eingestuft wurden. Ein Investment in diesen Fonds ist sowohl mittels Einmalerlag, als Fonds-Step-Invest oder durch monatliche Ansparung möglich.

Dies ist eine Marketingmitteilung der Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, Mooslackengasse 12, 1190 Wien. Stand/Erstelldatum: November 2022.

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