Sind Anleihen wieder interessant?

Christoph Böck
Veröffentlicht vor 3 Monaten 3 Likes 5 min. Lesezeit
Geldanlage
Frau mit Handy blickt überrascht - Anleihen jetzt wieder interessant?

Die Zinsen steigen. Die Notenbanken Europäische Zentralbank (EZB) sowie die FED in den USA erhöhen die Leitzinsen im Eiltempo, um der Inflation Herr zu werden. Im Vorfeld der Zinserhöhungen sind die Renditeniveaus von Staatsanleihen angestiegen. Was bedeuten höhere Zinsen und Renditen nun für Anlegerinnen und Anleger*? Sind Anleihen nun wieder ein interessantes Investment? Lies nach in folgendem Beitrag.

Anleihen wieder im positiven Bereich

Es ist nur wenige Monate her: Käufer von Staatsanleihen, also Anleger, die Staaten Geld borgten, erhielten weniger Geld zurück, als verliehen wurde. Wie Anleihen genau funktionieren, erfährst du hier: Was ist eine Anleihe?. Die Renditeniveaus vieler europäischer Staatsanleihen waren negativ. Ein Anleger musste also dafür bezahlen, um Staaten wie Deutschland, Österreich, Niederlande etc. Geld leihen zu dürfen. Mit der wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie und der deutlich gestiegenen Inflation haben Renditen von Staatsanleihen wieder in den positiven Bereich gedreht. Wer der Bundesrepublik Deutschland für 10 Jahre Geld leiht, erzielt eine Rendite von 1,47 % pro Jahr. Für 2 Jahre erhält man 1,06 % pro Jahr, für 5 Jahre 1,27 % pro Jahr (Daten per Ende August 2022).

Deutschland-Fahne zu sehen

Deutschland stabilstes Land

Deutschland gilt als wirtschaftlich und politisch stabilstes Land der Eurozone. Andere europäische Länder haben somit etwas höhere Renditen zu bezahlen, da deren Stabilität und Bonität vom Kapitalmarkt als etwas geringer eingeschätzt wird. So kann derzeit mit 10jährigen französischen Staatsanleihen eine Rendite von 2,09 % p.a. erzielt werden; mit spanischen Staatsanleihen eine Rendite von 2,67 % p.a. Das hochverschuldete und politisch fragile Italien muss einem Anleger immerhin 3,77 % p.a. bezahlen, um Geld auszuleihen (Daten per 30. August 2022).

US-Anleihen bei über 3 %

Zum Vergleich: US-Staatsanleihen mit 10jähriger Restlaufzeit bezahlen 3,06 % p.a. Für europäische Anleger sind diese Anleihen mit einem Fremdwährungsrisiko – den Schwankungen zwischen Euro und US-Dollar – behaftet.

Anleihen wieder interessant?

In Relation zur aktuellen Teuerungsrate bleibt ein Anleger dennoch mit einem deutlichen Kaufkraftverlust zurück. Die erzielbaren Renditen ermöglichen lediglich eine Reduzierung des Kaufkraftverlusts. Kapitalertragsteuer und mögliche Spesen noch unberücksichtigt.

Ausweg Unternehmensanleihen?

Anleihen von Unternehmen zahlen in der Regel höhere Renditen als vergleichbare Staatsanleihen. Schließlich besteht bei Unternehmen ein höheres Bonitätsrisiko bis hin zu einem möglichen Rückzahlungsausfall. Ein Gläubiger von Unternehmensanleihen könnte demnach bei einer Pleite des Schuldners durch die Finger schauen. Ein sogenannter Rendite- oder Risikoaufschlag bei Unternehmensanleihen ist somit erklärbar (Genaueres über den Aufschlag kannst du hier lesen: wienerboerse.at). Für die Eurozone gilt somit: Europäische Unternehmen werden stets mehr als vergleichbare deutsche Staatsanleihen bezahlen müssen, um Geld von Anlegern anzuziehen.

AAA-Rating wird auf Dokument gestempelt

Werfen wir einen detaillierteren Blick auf Unternehmensanleihen: Grundlage ist die Bonität des Unternehmens. Sie ist für die Höhe des Risikoaufschlags entscheidend. Je höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen in eine Pleite schlittern könnte, desto höher der Renditeaufschlag. Schließlich will ein Anleger für das höhere eingegangene Risiko adäquat entlohnt werden. Ratingagenturen wie beispielsweise Standard&Poor´s (sie ist die größte Ratingagentur) liefern die dafür notwendigen Informationen: das Bonitätsrating. Ein AAA-Schuldner ist demnach von bester Bonität während beispielsweise ein BB-Schuldner höheres Risiko birgt. Dies spiegelt sich klarerweise in der Rendite wider.

  • Schuldner mit hoher Bonität bieten somit einen geringeren Aufschlag („Spread“) auf vergleichbare deutsche Staatsanleihen. Diese Anleihen werden als „Investment Grade“-Anleihen bezeichnet.
  • Schuldner mit geringerer Bonität bezahlen einen höheren Aufschlag auf deutsche Staatsanleihen. Diese Anleihen werden „HighYield“-Anleihen genannt.

Was konkret heißt das für Anleger?

Ein Bündel von Unternehmensanleihen guter Bonität liefert derzeit einen Aufschlag von circa 1,90 % p.a. gegenüber Staat, liegt somit bei einer Rendite von rund 3 % p.a. Unternehmensanleihen geringerer Bonität müssen gar 5,50 % pro Jahr mehr als der deutsche Staat bezahlen, um sich von Anlegern Geld leihen zu können.

Ist die Differenz, also der Aufschlag eine fixe Größe? Ganz im Gegenteil.

Renditeaufschlag als Stimmungsbarometer

Der Aufschlag von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen hängt stark vom wirtschaftlichen Umfeld ab. Ist die Stimmung in der Wirtschaft gut, sind Umsätze und Gewinne der Unternehmen steigend, wird von privaten und institutionellen Anlegern auch zu niedrigeren Aufschlägen gegenüber Staatsanleihen Geld an Unternehmen geliehen. Droht hingegen eine Rezession mit der Gefahr, dass Unternehmensgewinne sinken oder Unternehmen in Schieflagen geraten, werden die Aufschläge deutlich ansteigen.

Mit Anleihen ist wieder etwas zu verdienen

Mit Anleihen ist nominell wieder etwas zu verdienen. Gerade Unternehmensanleihen bieten aktuell einen attraktiven Aufschlag gegenüber Staatsanleihen.

Hand stapelt Geld - Kursgewinne bei Anleihen

Drei wesentliche Risiken sollten dennoch nicht außer Acht gelassen werden:

  1. In einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld wird die die Renditedifferenz zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen in der Regel größer, Kursverluste wären die logische Konsequenz.
  2. Ein allgemeiner Renditeanstieg ist bei Anleihen immer mit Kursverlusten verbunden. Renditerückgänge bringen hingegen Kursgewinne.
  3. Die Renditeniveaus von Staats- und Unternehmensanleihen liegen klar unter der gegenwärtigen Inflationsrate.

Nichtsdestotrotz: Anleihen bieten deutlich höhere Renditen, also dies in den letzten Jahren der Fall war. Um eine möglichst breite Streuung zu erzielen, bietet sich ein global veranlagender Anleihefonds an. Fondsmanager von aktiv gemanagten Anleihefonds haben die Möglichkeit, viele verschiedene Emittenten, Bonitäten, Laufzeiten und Währungen im Fonds zu berücksichtigen und – sobald sich die Markteinschätzungen ändern – Umschichtungen vorzunehmen. Dies stellt somit eine sehr bequeme und zeitschonende Form von Anleiheinvestments für Anleger dar.

Daten per 30. August 2022

Dies ist eine Marketingmitteilung der Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, Mooslackengasse 12, 1190 Wien. Stand/Erstelldatum: September 2022

* Aufgrund der Lesbarkeit verzichten wir im Text auf das Gendern. Sämtliche personenbezogene Bezeichnungen sind geschlechtsneutral zu verstehen.

Veranlagungen in Fonds sind mit höheren Risiken verbunden, bis hin zu Kapitalverlusten. Ein Investmentfonds ist kein Sparbuch und unterliegt nicht der Einlagensicherung.

Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH oder kurz Raiffeisen KAG

Bildquelle: shutterstock.com